Klick und Flug durchs Heft: MORGEN

Beitrag: „WAS SOLL NUR AUS DIR WERDEN“

Autor: Marc Oliver Rühle

Interviewpartner: Andreas Stichmann, Christian Friedel & Dr.med. Heinz Langer

Wo: überall hier

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BOOM BRESLAU BABY!

12/17/2012

Unser Reporter Marc Oliver Rühle ist für uns in den Regionalexpress Dresden – Wrocław (Breslau) gestiegen, um drei Stunden später von einer Metropole überrascht zu werden, mit der er so überhaupt nicht gerechnet hatte, die nicht auf seinem Zettel stand. Dieser Zettel überlebte eine durchtanzte Nacht und fand sich in einer polnischen Studenten–WG wieder, wohl behütet und mit Ausrufezeichen übersäht. In nur 24 Stunden.

Der gesamte Artikel ist hier.

Thema: Vor 25 Jahren demonstrierten junge Deutsche massiv gegen die Volkszählung. Heute stellen junge Deutsche massiv ihre privaten Informationen ins Netz. Eine der beiden Generationen muss sich irren. Oder?


>JEDER IRRT ALLEIN?<

Weil wir dazuzählen wollen, ein Kommentar

Kann es sich um einen Irrtum handeln, eine staatliche Registrierung zu verweigern oder Privatestes auszustellen? Die damalig junge Generation bevorzugte die Diskretion, die jetzige stellt ihr Leben banalisierend ins virtuelle Schaufenster. Dabei unterscheidet die beiden Verhaltensphänomene nur Eines – dass Verständnis für die Öffentlichkeit. Und deren Medialität.

Im Jahre 1987 war der Begriff der Identifikation im eigenen Land ein noch schwer nachzuvollziehender Diskurs. Das eigentliche Volk voneinander, ineinander getrennt – eine Wahrnehmung als Volk, welches als bestimmt zählen sollte – das musste verunsichern! Privat sollte alles das bleiben, was aufgrund eines persönlichen Selbstverständnisses keiner staatlichen Forderung folgen brauchte. Im Zweifel für den Zweifel, so wurde >Öffentlichkeit< interpretiert. Ein Irrtum? Vielleicht, aber dann haben ihn alle als eine Gemeinschaft begangen, da sie sich durch die Definition in ihrer Freiheit gefährdet sahen.

Heute entscheidet und irrt jeder allein, aus Angst, nicht dazuzugehören. Unser Mitteilungsbedürfnis hat seinen Zenit erreicht und wird mit aller technischen Voraussetzung verführt. Wir stehen unserem Nächsten nicht im Angesicht gegenüber sondern durch die Apparate. Sich zu äußern oder andere zu kommentieren hat sich zum Zwanghaften entwickelt. Ich poste, also bin ich – nur SO nehmen wir uns selbst wahr.

Durch die digitalen Möglichkeiten wird ein automatisierter Ich-Bezug provoziert, welcher dazu führt, dass beide menschlichen Irrtümer nicht vergleichbar sind. Die Privatsphäre ist der absoluten Öffentlichkeit gewichen. Im Grunde ver-irrt sich jetzt ALLES nach draußen. Es ist der verständliche Wunsch, zu dieser geschrumpften, großen Welt dazuzugehören. Hallo, ich bin da!

Alles Illusion, klar, aber das zählt nicht.

Text: Marc Oliver Rühle /

Foto: Selbstauslöser / mit Antonio Foschini und Monika Gawronska

When the moment dies

and I come to you

with a broken lie

that I made for you (…)

Hier macht sich jemand sein ramponiertes Image hübsch. Presslufthammer rattern in den Asphalt am „Vieux Port“, Schlagbohrer schießen durch rostige Industriearchitektur, gigantische Sägen fräsen sich durch alte Fundamente und Kräne schneiden, in ihren Radien gefangen, die Atemluft der Mittelmeermetropole in Baubereiche und hier geht es via eines Interviews in die Baugrube Marseille…

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*Marseille.Straßen

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